Steuern Spanien: Haupt- oder Zweitwohnsitz

wahlwohnsitz

Der Wohnsitz ist grundsätzlich mit dem Begriff "Residencia" gleichzustellen. Haben Sie Ihren Wohnsitz in Spanien, gelten Sie verwaltungstechnisch und steuerrechtlich grundsätzlich als ansässig bzw. als "Residente". Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Ihr Zweitwohnsitz nicht ungewollt zum steuerrechtlichen Hauptwohnsitz wird, denn für unbewusst Voll-Steuerpflichtige, wird der Zweitwohnsitz schnell zur Steuerfalle. 

 

Im Gegensatz zum verwaltungstechnischen Wohnsitz, hat der steuerrechtliche Wohnsitz (residencia fiscal) wesentlich weitreichendere Konsequenzen, denn sobald Sie steuerrechtlich als "Residente" gelten, haben Sie sowohl Ihr Welteinkommen in Spanien zu versteuern als auch die entsprechenden steuerrechtlichen Pflichten zu erfüllen (z. B. Steuererklärungen, Modelo 720).

In dieser Hinsicht sind Sie als natürliche Person, nach Artikel 9 des spanischen Einkommenssteuergesetzes und entsprechend des deutsch-spanischen Doppelbesteuerungs- abkommens, nicht nur wohnhaft in Spanien wenn Sie sich 183 Tage im Jahr in Spanien aufhalten sondern ebenfalls wenn Sie in Spanien über eine ständige Wohnstätte verfügen (Eigentum oder Miete) oder wenn Sie den Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen in Spanien haben.

 

A) 183 Tage im Jahr Aufenthalt in Spanien:

Auch wenn der ständige Aufenthalt in Spanien auf den ersten Blick die einfachste Möglichkeit ist Ihren Wohnsitz festzustellen, ist es durch den Wegfall von Grenzkontrollen für das spanische Finanzamt nahezu unmöglich diese Bedingung nachzuweisen.

B) Die ständige Wohnstätte in Spanien:

Haben Sie in Spanien eine ständige Wohnstätte (Erst- oder Zweitwohnsitz) besteht für das spanische Finanzamt bereits eine Vermutung, dass Sie Ihren steuerrechtlichen Wohnsitz in Spanien haben. Auch wenn Sie sich weniger als 183 Tage in Ihrem Zweitwohnsitz aufhalten, können Strom- und Wasserrechnungen, Telefonrechnungen usw. bereits ausreichen um zu vermuten, dass Ihr steuerrechtlicher Wohnsitz in Spanien liegt. Hierbei haben Sie als Steuerzahler zu beweisen, dass es sich effektiv um Ihren Zweitwohnsitz handelt, dass Ihr Erstwohnsitz in Deutschland liegt und dass Sie Ihre Einkünfte in Deutschland versteuern. 

C) Der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen:

Diese letzte Bedingung lässt sich im Allgemeinen lediglich durch Vermutungen bestärken. So wird hierbei z. B.  vermutet, dass der Steuerzahler seinen Wohnsitz in Spanien hat, wenn in Anwendung der genannten Kriterien sein nicht getrenntlebender Ehepartner und seine minderjährigen Kinder ihren Wohnsitz in Spanien haben.

 

Im Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Spanien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung wird der Konfliktfall durch den Artikel 4 Absatz 2 gelöst. Ist nach Absatz 1 eine natürliche Person in beiden Vertragsstaaten ansässig, so gilt Folgendes: 

a) Die Person gilt als nur in dem Staat ansässig, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt; verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als nur in dem Staat ansässig, zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen hat (Mittelpunkt der Lebensinteressen);

b) kann nicht bestimmt werden, in welchem Staat die Person den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen hat, oder verfügt sie in keinem der Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als nur in dem Staat ansässig, in dem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat;

c) hat die Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt in beiden Staaten oder in keinem der Staaten, so gilt sie als nur in dem Staat ansässig, dessen Staatsangehöriger sie ist.

d) ist die Person Staatsangehöriger beider Staaten oder von keinem der Staaten, so regeln die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten die Frage in gegenseitigem Einvernehmen.

 

Es ist hierbei zu beachten, dass in der Praxis lediglich Abschnitt a) Anwendung findet, da nur in Ausnahmefällen der Lebensmittelpunkt nicht eindeutig bestimmt werden kann. Verfügen Sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, ist die Bestimmung Ihres Lebensmittelpunktes somit ausschlaggebend zur Begründung Ihres Steuerwohnsitzes.

 

 

Konsequenzen des Hauptwohnsitzes in Spanien: 

Haben Sie aufgrund der genannten Kriterien Ihren steuerrechtlichen Hauptwohnsitz in Spanien "Residente", werden Sie in Deutschland automatisch als beschränkt steuerpflichtig behandelt, da sie nun Ihr Welteinkommen in Spanien zu versteuern haben. Die sich daraus ergebenden steuerrechtlichen Pflichten lassen sich grundsätzlich wie folgt zusammenfassen:

 

A) Steuererklärungen:  

Alle in Spanien unbeschränkt steuerpflichtigen Personen (residentes) haben unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft die jährlichen Steuererklärungen abzugeben. Für Privatpersonen ist besonders die Einkommensteuererklärung (IRPF) und die bis 2016 geltende Vermögenssteuererklärung (Impuesto sobre el Patrimonio) zu beachten. Weitere Informationen hinsichtlich der in Spanien unbeschränkt- steuerpflichtigen Personen "Residentes", finden Sie im Artikel: [Steuergrundlagen: “Residentes”]

B) Schenkungen und Erbschaften:

Erhalten Sie Schenkungen oder Anteile an Erbschaften, ist die je nach Comunidad Autónoma unterschiedliche Schenkungs- und Erbschaftssteuer zu bezahlen (ISyD) zu bezahlen. Weitere Informationen hierzu im Artikel: [Wo ist die spanische Erbschaft zu versteuern?].

In Bezug auf Ihre eigene Erbschaft, ist es des Weiteren notwendig eine entsprechende Erbrechtswahlzu treffen. Informationen zum Thema Erbrechtswahl, finden Sie im Artikel: [Die spanische Erbrechtswahl].

C) Informationspflicht Auslandsvermögen:

In Spanien ansässige Personen (residentes) haben seit 2012 über ihr im Ausland befindliches Vermögen zu informieren. Die Informationspflicht ist durch die Abgabe einer von der Steuererklärung getrennten Eigentumserklärung zu erfüllen und kann bei Nichtabgabe und Überschreitung der gesetzlichen Freigrenzen zu außergewöhnlich hohen Geldbußen führen. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Artikel: [Modelo 720].

 

Von seitens unserer Kanzlei helfen wir Ihnen gern bei der Analyse Ihrer konkreten Situation, nehmen für Sie notwendige Verwaltungsakte vor und helfen Ihnen auch gern bei der Abgabe der entsprechenden Steuererklärungen. Bei Interesse oder konkreten Fragen zum Thema, stehen wir Ihnen gern per Mail oder telefonisch in deutscher Sprache zur Verfügung.

Autor: 

 

Spanischer Rechtsanwalt & Steuerberater
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